Indienreise Gokarna, Strand, Himalaja, Tempel und Stille…

Gokarna, der Pilgerort

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Ich war schon einmal 2001  in Gokarna am OM-Beach gewesen und schlief mit meinen Freundinnen für ein paar Tage. Wir fuhren mit einem Wassertaxi direkt zum Ort und liefen durch, hatten so den Eindruck, dass Goa viel schöner und fröhlicher ist. Die Menschen hier schienen uns düsterer und dunkler. Als Touri durftest du nicht den großen Tempel kurz vor dem Strand betreten. Uns schien das alles sehr streng und ich hatte kein Bedürfnis, nochmals hierher zu kommen. Doch danach er­zähl­ten mir immer wieder in Goa Leute, wie schön doch Gokarna ist, so ursprünglich und noch  so viel günstiger.

Ich kannte Indien schon, als Arambol in Goa noch mehr verschlafen war. Der Tourismus fand in dieser Zeit langsam seinen Einzug. Ich hielt mich gerade in Palolem auf, ziemlich südlich von Goa. Da überlegte ich mir, noch einmal nach Gokarna zu fahren und mit neuen Augen diesen Ort anzuschauen. Und diesesmal gewann ich einen besseren Eindruck.

So reiste ich die kommenden Jahre dann immer wieder nach Gokarna und fühlte mich sehr wohl. Alleine sich vorzustellen in einer Hütte zu sein, von Palmen umringt und mit den Meereswellen am Ohr einzuschlafen. Armabol wurde mehr und mehr zugebaut und hier standen diese Hütten noch mit großen Abstand auseinander. Doch das veränderte sich im Laufe der nächsten Jahre. Es kehrte auch hier immer mehr der Tourismus ein.

Mit Lionheart, ein alter Freund, den ich immer wieder in Indien treffe und gerade in  Palolem auftauchte, verabredete ich mich am Nachmittag am Bahnhof, um gemeinsam zu reisen. Es sind ja nur eineinhalb Stunden von Palolem nach Gokarna. Mit Lionheart war die Fahrt in der Bahn nicht langweilig. Er hat immer gute Laune. Und so fand ich es gut, mit ihm zu sein. Und doch liebe ich es auch sehr, alleinzu reisen.

Gerade, wenn der Gedanke geweckt ist weiterzureisen, ist es wunderbar, wenn sich noch jemand anschlieβt. Dann tue ich es auch. Sonst gehe ich leicht in die Haltung, naja, kann ich ja auch noch morgen tun, und so vergeht die Zeit, ohne sich vom Platz zu rühren. Es baut sich ein Phlegma auf, wenn man viel Zeit hat, besonders an Touri-Plätzen.

Im Nordern wirkt eine andere Energie. Da ist mein Körper mehr senibilisiert und ich reagiere schneller auf innere Zustände.

s1389428278_121559_5812 Hier komme ich mehr mit den Einheimischen in Kontakt. Sie sind ganz neugierig. Das ist gar nicht verwunderlich, denn die meisten Inder müssen im Land bleiben, dürfen gerade noch nach Nepal reisen. Doch wenn einer aus der Familie  beruflich ins Ausland gegangen ist, darf auch diDSC01714e Familie nachkommen. Die Menschen, besonders die jungen Männer, die sich überwiegend auf den Straßen aufhalten, zeigen sich sehr interessiert und stellen viele Fragen. Das kann auch lästig sein, wenn es zu häufig passiert. Doch es kommt auch schnell dazu, dass ich von meiner Arbeit erzähle. Das weckt  ihr Interesse. Doch ich gebe mein Wissen nicht jedem. Erst wenn ich mehr über ihn weiß und sehe, dass er  verantwortlich damit umgeht, bekommt er eine Session.
Was anderes ist es, wenn er Hilfe braucht, dann bin ich gleich dabei.

In den Bergen, im Himalaja wird es ruhiger, eine Stille breitet sich aus. Wie schön ist es, mich auf  die Natur einzulassen, tief einzutauchen und gleichzeitig mir selbst näher zu kommen. Ich habe am Anfang meiner Indienreisen gedacht, es gäbe nichts schöneres, als mit den Wellen zu spielen und den Strand mit den Palmen zu genießen. Das war erstmal das Paradies. Doch jetzt spüre ich immer mehr, was das Gebirge für eine Qualität besitzt. Ich habe die Berge, die heißen Quellen und überhaupt den Norden immer mehr lieb gewonnen.

Ja, die Stille in den Bergen oder an heiligen Orten hat eine eigene Qualität, die ich immer mehr zu schätzen lernte. So zieht es mich an Plätze, die schon am frühen Morgen, bevor der Tag erwacht, mit heiligen Klängen gefüllt ist. Mein Körper hat sich in Indien umgestellt.  Mich diesen heiligen Klängen hinzugeben, hat mich regelrecht verzaubert, es brinDSC04394gt etwas Ursprüngliches hervor. Dieses frühe Erwachen hat dann auch in Deutschland nicht aufgehört. Früh aufzuwachen und in die Stille der Stadt zu lauschen, während Menschen noch schlafen hat was wunderbares. Auch das Tageserwachen in der Natur mitzukriegen ist reine „Magic“, ob in Indien oder Deutschland. Zu erleben wie es jeden Moment heller und lichter wird. Jeder Tag birgt eine große Power in sich, die einem in diesem Moment zufließt. Ich genieße es immer wieder in dieser Zeit schon wach zu sein.

Wenn ich so durch das Land fahre, begegnen mir Reisende. Mit ihnen zusammen zu sitzen und sich zu unterhalten ist spannend. Sie lassen sich auch gerne auf meine Arbeit ein. Es sind Menschen, die viel zu erzählen haben, mich Wissenswertes erfahren lassen. Sie erzählen von Orten, die ich noch nicht kenne und ich werde neugierig, sodass ich mich plötzlich auf den Weg dorthin begebe, wieder einen Schritt weiter in die Ungewissenheit, die ich in all den Jahren schon gut kennen gelernt habe. Dies fühlte sich mit der Zeit dann gar nicht mehr so fremd an. So setzte ich auch immer mutiger meinen Weg durch Indien fort.

Es gibt nicht so viele Menschen, die durch Indien reisen, schon gar nicht ältere Leute. Manchmal sitze ich in einem langen langen Zug und wenn ich aussteige, bin ich die einzige Westlerin. Einmal stieg noch ein junger Europäer aus. Was für eine Freude, noch jemanden zu treffen und nicht nur allein in dieser asiatischen Welt zu sein.

Meinem Impuls zu folgen, meiner inneren Sicherheit zu vertrauen, bedeutet P1020613für mich eine kindliche Freude und Unbeschwertheit zuzulassen. Das war ein großer Lernschritt für mich, rauszugehen aus dem deutschen Verstand. Jetzt spüre ich immer mehr das Glück von innen, was mich veranlasst einfach loszulaufen und nicht erst daran zu denken, was alles passieren könnte.  Ich erlebte dabei, wie sich immer mehr Türen öffneten in dem „incredible India“.  So viel Unglaubliches, Zauberhaftes und Verzauberndes geschah auf meinen Reisen, dass ich mir nicht mehr vorstellen konnte, ohne dieser Vielfalt leben zu können.

DSC04384Ich glaube, dass das sehr häufig vorkommt, dass Menschen, die über Jahre so leben, diese Zeit sehr vermissen werden, wenn sie wieder zurück sind, so wie ich. Ich habe jedoch auch erlebt, dass ich in meiner Anfangszeit, als ich nach India reiste und dann zurückkam, nach ein paar Monaten in Deutschland nicht mehr glauben konnte, dass ich wirklich in Indien war. Ja, ich holte sogar mein Rückticket heraus, um mich zu überzeugen, dass ich auch wirklich wieder zurückfliege.

Der Kontrast von West zu Ost ist sehr groß. Und jedesmal wenn ich drüben wieder ankam, musste ich meinen deutschen Kopf absetzen, um mit der Energie von „Mother India“ mitzuschwingen. Wenn ich dann zurückkam, durfte ich nicht vergessen, ihn wieder aufzusetzen, sonst verhielt ich mich wohl für Deutsche etwas merkwürdig. Ja und die Reise geht weiter, mein Herz ist voller Sehnsucht nach Indien. Auch wenn ich jetzt erstmal in Deutschland bleiben werde,werde ich wieder fliegen. Ich habe eine Türe geöffnet, die sich nicht mehr schließen lässt.

Gokarna ist wirklich ein Traum, habe ich jetzt erkannt. Gokarna ist bunte rajasthani-frauenein Pilgerort und die indischen Frauen mit ihren bunten Saris versammeln sich jeden Tag.

Ich genoss die Morgen­stunden der Pilger, diese angenehme Atmosphäre mit den farbenprächtigen und lebendigen Menschen. Heilige Plätze gibt es mehr im Norden. So erkannte ich, dass diese wunderbare Energie auch hier am Meer wirkt. Ich fand ein Zimmer im Priesterhaus, direkt neben dem Schlangentempel und genoss dort eine groβe Stille und Andacht.

So saβ ich viele StunAsiria fliegt zur Schuleden in meinem kleinen idyllischen Zuhause mit Lichterkette und Kerzen und malte meine Einhornbilder zu dem entstehenden Kinderbuch.

Die Energie war so fein und gleichzeitig kraftvoll. Ich fühlte mich von dieser Energie getragen, ja dahinschwebend, während ich im Zimmer malte. Noch nie fand ich davor einen heiligen Ort, direkt am Meer.

Ein paar Schritte zum Strand und die feine Energie zerstreute sich. Hier spielte sich das volle Leben ab. Die Goa-Leute kommen immer mehr nach Gokarna. Menschen bringen ihre Instrumente mit, tanzen am Strand und sind einfach gut drauf. Da trat meine Unbeschwertheit hervor. Ich mischte mich unter die Leute und ließ mich von ihrer Fröhlichkeit anstecken. Ich tauchte in wunderbare Gespräche ein, erzählte von mir und so konnte ich meine tantrische Heilarbeit anbieten und Tarot legen.Picture 336

Das war eine groβartige Mischung aus Kreativität, Einzelsitzungen und Strandvergnügen. Genau nach meinem Geschmack.

So stelle ich mir mein Ziel vor, mich später an einen Platz zurückzuziehen und mich mit meinem Wissen einbringen, kreativ sein und auch nicht auf das Meer und die Berge verzichten zu müssen. Ob ich dann für immer
dort leben möchte, das weiβ ich heute noch nicht.